Studie zur sexuellen Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus

Die Zahl der Kinder, die auf Reisen und im Tourismus sexuell ausgebeutet werden, hat im Laufe der Jahre stark zugenommen und auch die Strategien der Täter haben sich verändert. Mit einer zweijährigen „Globalen Studie zur sexuellen Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus“ hat das Kinderhilfsnetzwerk ECPAT nun die bislang größte Datengrundlage in diesem Bereich geschaffen. Die Studie beschreibt die globale Dimension der sexuellen Ausbeutung, Hintergründe sowie aktuelle Entwicklungen und beinhaltet konkrete Handlungsempfehlungen.

Die „Global Study” bestätigt, dass es den typischen reisenden Sexualstraftäter nicht gibt und dass das stereotype Profil des internationalen Touristen – als westlicher, reicher, pädophiler Mann mittleren Alters – ausgedient hat. Die Mehrzahl der Täter stammt nicht aus fernen Ländern, sondern für gewöhnlich aus demselben Land oder derselben Region. In der Vergangenheit wurde zu wenig Augenmerk auf andere Tätertypen gelegt – wie z.B. Geschäftsreisende, Migranten oder Gelegenheitsarbeiter. Darüber hinaus wurde bisher auch die internationale Gruppe der Freiwilligen sowie der Mitglieder von Friedensmissionen und der Mitarbeiter im Bereich humanitäre Hilfe unterschätzt, die aus unterschiedlichen Gründen reisen, aber nicht im klassischen Sinne Touristen sind.

Die meisten Täter sind keine Pädophilen, die ausschließlich Kinder bevorzugen, sondern „Gelegenheitstäter“, die erst daran denken, ein Kind zu missbrauchen, wenn sie in einem risikoarmen, anonymen Umfeld eine Gelegenheit dazu haben. Zu den einheimischen Tätern zählen auch diejenigen, die zur Begehung von Straftaten touristische Einrichtungen wie Hotels oder Pensionen nutzen. Die „Global Study“ umreist die Problematik neu und fasst sie weiter als der bisher noch gebräuchliche Terminus des Kindersextourismus. Es handele sich stattdessen um „sexuelle Ausbeutung von Kindern, eingebettet in den Kontext von Reisen und/oder Tourismus“.

Herausforderungen für die Tourismusbranche

Die Studie zeigt, dass das Engagement der Tourismuswirtschaft weiterhin sehr notwendig ist. ECPAT hat Vorschläge entwickelt, wie die Branche helfen kann, solche Straftaten an Kindern zu verhindern. Die Erkenntnis, dass viele reisende Sexualstraftäter Geschäftsreisende sind, gibt der Tourismuswirtschaft zum Beispiel die Möglichkeit, das Problem durch eine Verstärkung des Dialogs mit Arbeitgebern anzugehen. Die Tourismuswirtschaft könnte Arbeitgebern Reiseoptionen anbieten, bei denen die Sicherheit von Kindern gewährleistet ist.

Doch als erstes sollte die Tourismuswirtschaft sicherstellen, dass die sexuelle Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus in den eigenen Reihen umfassend angegangen wird – durch Handlungskonzepte zum Kinderschutz, in ihren Betriebsabläufen, im Berichtswesen und durch Verhaltenskodizes, Mitarbeiterfortbildungen, bewusstseinsbildende Maßnahmen und, wo angemessen, durch Überprüfung der polizeilichen Führungszeugnisse der Mitarbeiter.

Quelle: tourism-watch, Dorothy Rozga